Handlungsfelder für ein soziales Braunschweig – LINKE fragt nach

child 2154571 1920„Die aktuelle Lage bewerten und zukünftige Handlungsfelder identifizieren“, das ist laut einer Pressemitteilung der Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast das Ziel der ‚Schlaglichter Soziales Braunschweig‘. „Vor allem in der Weststadt zeigen die Sozialdaten eine alarmierende Entwicklung auf. Uns interessiert, welche Rückschlüsse daraus gezogen werden. Deshalb fragen wir bei der nächsten Ratssitzung nach“, erläutert die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Stadtrat, Gisela Ohnesorge, die Anfrage der Fraktion.

Während im restlichen Braunschweig die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften sowie der Kinder im SGB-II-Bezug gesunken ist, steigen diese Werte in der Weststadt an. Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich zum Beispiel bei der Kinderarmut. Während die Zahl der Kinder im SGB-II-Bezug kontinuierlich auf durchschnittlich 14,5 Prozent in Braunschweig gesunken ist - in Kanzlerfeld/Lamme beträgt der Anteil sogar nur 1,4 Prozent- sind es im Bereich Weststadt¬ Nord 44,8 Prozent. Bei der Kinderzahngesundheit bildet die Weststadt Nord bei den „naturgesunden Zähnen“ das Schlusslicht. Auch sportliche Betätigung scheint in der Weststadt nicht groß geschrieben zu werden. Lediglich knapp 34 Prozent der Bewohner der Weststadt Nord sind Mitglied in einem Sportverein; der Durchschnitt liegt bei 57,2 Prozent, und in Volkmarode/Dibbesdorf/Schapen liegt der Anteil sogar bei 77,6 Prozent. Ebenso negativ stellt sich der Schulbereich dar: Die gesamte Weststadt hat den höchsten Anteil an Hauptschülerinnen und Hauptschülern. Hier besuchen insgesamt mehr Kinder und Jugendliche die Hauptschule als das Gymnasium.

„Dieser negativen Entwicklung muss dringend entgegengewirkt werden,“ betont Ohnesorge, „auch das aktuelle Angebot an Krippen- und Kitaplätzen reicht bei weitem nicht aus.“

Die Studie hat ergeben, dass mit 266 fehlenden Plätzen der größte Bedarf in der Weststadt vorhanden ist, während es in anderen Gebieten, wie zum Beispiel der Schunteraue, mehr Plätze als Bedarf gibt.

„Wir dürfen den Fokus jedoch nicht nur auf die Gegenden der Stadt richten, wo die Zahlen den Handlungsbedarf so deutlich hervorheben wie in der Weststadt“, gibt die sozialpolitische Sprecherin zu bedenken. „So könnte zum Beispiel die überdurchschnittlich positive Entwicklung bei der Anzahl der SGB-II-Bedarfsgemeinschaften im Westlichen Ringgebiet eine Folge von Verdrängung durch Gentrifizierung sein. Um eine solche mögliche Entwicklung zu erkennen, bedarf es einer Umzugsbefragung, die in den ‚Schlaglichtern‘ nicht enthalten ist.“

Die Zahlen in dem Bericht zeigten deutlich, dass eine regelmäßige Ermittlung von Sozialdaten eine wichtige Grundlage für politische Entscheidungen ist, so Ohnesorge weiter. Und gerade deshalb sei es unverständlich, dass der Sozialatlas, der laut Beschlusslage jährlich erscheinen sollte, seit 2016 nicht mehr fortgeschrieben wurde.

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