Redebeitrag Jasperallee: 87 Bäume sollen ohne Not gefällt werden
Dienstag, 6. November 2018

Anke SchneiderRatsfrau Anke Schneider (DIE LINKE.), Redebeitrag zur Ratssitzung am 06.11.2018, unter  TOP 15  "Neugestaltung des Mittelstreifens auf der unter Denkmalschutz stehenden Jasperallee im Abschnitt zwischen Ring und Staatstheater."

Es gilt das gesprochene Wort.

Wir haben heute schon ausführlichst über Bäume gesprochen. Frau Mundlos bezeichnete den Baum an sich gar als „Wunderwerk“.

Dieser Tagesordnungspunkt stellt unserer Meinung nach nicht gerade eine Sternstunde zu diesem Thema dar.

In der Mitteilung der Verwaltung zu Beginn der Sitzung wurden die Verluste an Bäumen durch den Sturm Xavier beziffert, die mit hohem finanziellem Aufwand – teilweise – ausgeglichen werden sollen. Mehr als eine Million Euro wird das kosten.

An anderer Stelle wollen wir Braunschweigerinnen und Braunschweiger dazu aufrufen, für neu zu pflanzende Bäume zu spenden.

Wie wollen wir diesen Menschen denn aber erklären, dass in der Jasperallee 87 Bäume ohne Not gefällt werden sollen? Sind diese Bäume dann nicht so sehr „Wunderwerke“?

Es gibt zwei gegensätzliche Herangehensweisen. Die Verwaltung in ihrer Vorlage betrachtet Jasperallee vor allem unter einem architektonischen bzw. denkmalpflegerischen Aspekt, sie möchte möglichst schnell eine völlig intakte Prachtstraße wiederherstellen. Wir können dem Verwaltungsvorschlag durchaus positive Aspekte abgewinnen: Es wurde ein umfangreiches Gutachten in Auftrag gegeben, ein Bodenaustausch wurde vorgesehen, um den Bäumen optimale Wachstumsbedingungen zu geben, und für die Nachpflanzungen sollen relativ große Linden benutzt werden. Für uns und viele andere jedoch nicht nachvollziehbar ist die Eile, mit der die Neupflanzungen von statten gehen sollen. Weshalb sollen innerhalb von drei Jahren alle Bäume gefällt werden? Weshalb kann man nicht behutsamer vorgehen, Bäume nur dann fällen, wenn es wirklich nötig ist? Ein weiterer Kritikpunkt: Nichteinbeziehung der Anwohner, es hat kein Bürgergespräch stattgefunden. Auf der anderen Seite haben wir die BI Baumschutz. Sie möchte, dass möglichst jeder Baum erhalten bleibt, optimale Pflege erhält, vor negativen Einflüssen geschützt wird. Keine der Forderungen oder Anregungen der BI – und sie hatte wirklich viele Vorschläge gemacht – wurde von Verwaltung aufgegriffen. Das ist sehr schade. Über Bürgerbeteiligung hatten wir ja heute auch schon gesprochen.

Unsere Fraktion hat sich gefragt, was für die Menschen in unserer Stadt wohl wichtiger ist:
  • der denkmalpflegerische Aspekt, die Herstellung einer mustergültigen Allee, in der alle Bäume gleich aussehen oder
  • einfach der Erhalt möglichst vieler Bäume in der Stadt, einschließlich der Alleebäume der Jasperallee
In unseren Augen stellt die Jasperallee noch immer eine ansehnliche Allee dar. Wir halten ein langsameres, behutsameres Vorgehen bei der Nachpflanzung für richtig und auch für machbar. Man könnte dabei durchaus abschnittsweise vorgehen, aber eben viel langsamer und nicht innerhalb von 3 Jahren. Man könnte kleinere Abschnitte bilden, je nach Bedarf. Jeweils dann, wenn in einem Bereich die Zahl der Lücken zu groß würde, könnte man in diesem Abschnitt den Boden austauschen und Linden Pflanzen.

Die Vertreter_innen von GRÜNEN/BIBS/LINKEN im Stadtbezirksrat Östlicher Ring hatten einen Kompromissvorschlag in diese Richtung gemacht. Leider hatte er keine Mehrheit gefunden.

Den Gedanken einen eigenen Antrag dazu einzubringen, haben wir wieder verworfen, da ja bereits ein Gegenantrag vorliegt

Die LINKSFRAKTION wird dem Antrag der BiBS-Fraktion auf ein Moratorium zustimmen und die Vorlage der Verwaltung ablehnen.